Gedankenknoten

by erphschwester
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Ich kann ja nicht wirklich englisch, was umso erstaunlicher anmutet, als ich hier poste. (David meinte, es würde schon werden, wenn ich nur genug von diesen englisch-sprachigen Sendern schauen und überhaupt sehr viel … naja, was auch immer, aber auf jeden Fall mich mit der Sache befassen würde. Kann ja sein, daß es auf diese Weise etwas würde, aber ich habe auf diese Weise auch nicht Gitarre- oder Klavierspielen, geschweige denn irgend etwas anderes gelernt. Ich bin ganz entschieden nicht geduldig genug und interessiere mich an der nächsten Ecke schon immer für etwas anderes.) Umso stolzer war ich auf mich, daß ich gestern einen Film angesehen, komplett in Englisch, und zumindest in groben Zügen verstanden habe, worum es ging.

Es ging um Georg Bush, ohne Dubbeljuh (im Angesicht des Todes sind solche Sachen nebensächlich), der am 19. Oktober 2007 umgebracht worden ist. Am Bemerkenswertesten fand ich, wie dieser Ermittler sagte, er gäbe zu, daß man sich bei den Ermittlungen vordergründig auf mögliche islamische Attentäter ausgerichtet habe, oder so ähnlich.
Nicht, daß ich solche fiktiven Geschichten glauben würden, obschon ich zugebe, daß Fiktion sich immer ein Stück weit an das anlehnt, was möglich ist. Und möglich ist, wie wir wissen, auf dieser Welt so allerhand, gleich gar in Amerika, dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Wahrlich.

Die Sache ist mir heute wieder eingefallen, als sie im deutschen Fernsehen berichteten über eine Schulfeier, bei der eine Horde nicht geladener Jugendlicher gewittergleich eingeschlagen ist und Randale gemacht hat. Ein Polizisten-Vater wurde übelst verletzt.
Hernach hat ein Polizeisprecher gesagt, daß solche Angriffe männlicher Jugendlicher, mehrheitlich nichtdeutscher Herkunft, immer häufiger würden.

Ich muß dazu sagen, daß ich von Berufs wegen letzthin dazu verpflichtet worden bin, mich über die wesentlichen Inhalte des Gleichstellungsgesetzes zu informieren. Vermittels einer Art Lernprogramm, das am Ende ein Zertifikat ausspuckte, welches nun in meiner Personalakte hängt. So korrekt sind wir in Deutschland!

Nachdem dieser Polizeisprecher gesprochen hatte, fragte ich mich ernsthaft, wie korrekt denn nun diese Sache mit den "Jugendlichen nichtdeutscher Herkunft" gewesen ist, so im Sinne des Gleichstellungsgesetzes. Wo sind Fakten Fakten und wo Benachteiligung wegen der Herkunft, der Religion oder weswegen auch immer?
Schüren nicht solche pauschalen Aussagen eben das, wogegen wir in Deutschland uns vermeintlich so sehr wenden: Fremdenhaß und Ausgrenzung? Und: Kommt uns "der Ausländer ansich" mit allem, was er so an ungeliebten Erscheinungsformen mit sich bringt, nicht zuweilen sehr gelegen?
Denn … solange wir den Feind in irgendwelchen armen Kopftuch- und Turbanwürsten auf der Straße suchen und finden, solange wenden wir keinen Blick auf die Glaskuppel nach Berlin.

Am Abend, um das Maß voll zu machen, sah ich den "Tatort", in dem es um die neuen Nazis ging und hernach einen neueren Wallander, der gegen Globalisierungsgegner kämpfte, die vermittels eines computerinitiierten Bankencrashs so eine Art Weltkommunismus schaffen wollten.

Ich krieg´s noch nicht ganz zusammen. Aber irgendwie paßte alles: in einer Weise, die mich ahnen läßt, daß andere Leute sich auch so ihre Gedanken machen. Gar nicht so weit entfernt von den meinen.

Gleichwohl, manchmal denke ich, ich sollte meinen Fernseher und den Mac gleich mit auf den Müll schmeißen und einfach ein paar Runden joggen gehen. Während mein armer Kopf beinahe platzt, ändert sich rein gar nichts.

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Nicolae Carpathia January 22, 2007 - 11:42 pm

Ahem, sorry, aber die Diskussion um das politisch korrekte Verschweigen ethnischer Zugehörigkeiten gab es in der alten Bundesrepublik in den 80ern und 90ern zur Genüge. Aus guten Gründen ist man davon abgerückt. Die Fahndung nach Personen wird so deutlich effektiver.
Fakten, Fakten findet man z.B. in der amtlichen Polizeistatistik unter http://www.bundeskriminalamt.de/pks/index.html
Richtig ist, dass man nicht einfach so die Zahlen vergleichen kann – bestimmte Straftaten wie Aufenthalt ohne Genehmigung können nunmal Deutsche nicht begehen. Ausländer wohnen häufiger in Großstädten, wo die Kriminalitätsraten auch tendenziell höher sind usw. Man muss den sozialen Hintergrund herausrechnen usw.
Nur: Bei einigen zugegebenermaßen sehr seltenen Straftaten, wie z.B. Mord oder Vergewaltigung, bleibt trotzdem ein Überhang. Das Problem ist eher, wie denn die Öffentlichkeit diese Zahlen interpretiert – in dümmlicher Stammtischmanier oder dahingehend, dass keinerlei Aussagen über Einzelpersonen auf der Basis von allgemeinen Statistiken möglich sind, aber Probleme nicht einfach “weggeschwiegen” werden können.
Es gibt vergleichbare Probleme mit dem kriminellen Verhalten von West- und Ostdeutschen, wo man auch aus Gründen der “Political Corectness” gewisse Unterschiede einfach nicht wahrhaben kann oder will. Aber damit ernte ich hier vermutlich noch mehr Protest…

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Omar Abo-Namous January 23, 2007 - 12:39 am

Ich bin der Meinung, dass – vollkommen von “inkorrekt” – die Nennung der Herkunft oder Abstammung eines Täters meist von der Tat selbst ablenkt und diese meist fälschlicherweise mit der Herkunft in Verbindung setzt – unabhängig davon, ob es tatsächlich etwas damit zu tun hat oder nicht.
Nehmen wir folgendes Beispiel: vor kurzem hatten sich Medien auf eine – so wahrgenommene – gestiegene Anzahl von Eltern konzentriert, die ihre Kinder misshandelt haben. Stellen wir uns nun vor, eine nicht geringe Anzahl dieser Eltern wären Türken und wie dann die Reaktionen auf stammtisch- aber auch auf politischer Ebene ausgefallen wären.. Auf der anderen Seite käme keiner in Deutschland auf die Idee die Misshandlungen mit der Abstammung dieser Menschen in Verbindung zu setzen.
Lustig ist teilweise, wie mit einer Nachricht umgegangen wird: Ich habe vor einiger Zeit eine Nachricht über eine Massenschlägerei mit der Polizei in Hannover geschrieben. Da die beteiligten Nichtpolizisten scheinbar allesamt türkischer Abstammung sind, wird mein Artikel bis heute in diversen Foren verwendet, um damit zu sagen: “schaut mal, so handeln Ausländer/Türken etc..” Dabei beschreibt der Artikel sehr viel mehr als nur dieses “Event”..
Was den Film “Death of a president angeht”, so habe ich ihn auch gesehen (und eine review geschrieben) und fand ihn eigentlich sehr differenziert und insgesamt gut gemacht.
(Mann, schon wieder zu lang..)

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David January 23, 2007 - 5:36 am

Omar,
wo kann ich deine review lesen? ich finde sie nicht in TooMuchCookies.

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erphschwester January 23, 2007 - 12:22 pm

ohja, ich bitte auch!

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erphschwester January 24, 2007 - 11:34 am

danke, aber ich war -wie so oft- wieder einmal ungeduldig und hab´s mir “ergoogelt”. 😉

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