Das zweite Leben

by erphschwester
0 comment 3 views

Es gibt so Dinge im Leben, da fragt man sich, was Ursache und was Wirkung ist. Zum Beispiel: Bin ich eine jung gebliebene Großmutter, weil ich so viele junge Menschen um mich habe (am wenigsten noch meine eigenen Kinder) oder habe ich so viele junge Menschen um mich, weil ich jung geblieben bin. (Die Frage, ob ich mir das alles nur einbilde, weil ich mich gern jünger fühlen möchte, stellen wir heute lieber nicht.) Jedenfalls bilde ich mir ein, allerhand Dinge zu verstehen, die die Jungen um mich herum so treiben.

Gleichwohl verstehe ich nicht alles. Zum Beispiel: Wozu braucht man ein zweites Leben? Also ich muß gestehen, das erste, das ich habe, finde ich zuweilen schon mühselig genug. Schon möglich, daß ich manchmal Lust habe, etwas zu ändern. Und wenn ich Glück habe, klappt das auch noch ´mal, das mit dem Ändern, vielleicht sogar dieses Jahr noch. Aber noch ein Leben zusätzlich? Nein, das brauche ich nicht.

Trotzdem erfreut sich "Second Life" großer Beliebtheit. Drei Millionen angemeldete Nutzer leben auf diese Weise ein Leben, das sie draußen in der Realität nicht haben können. (Ich, im Zweifelsfall, halte es dann doch lieber mit der Realität.) Daß die Industrie auf solche Züge gerne aufspringt, ja gut, das kennen wir. Ist ja egal, auf welche Weise man sein Zeugs verkauft. Neu aber ist, daß "Second Life" eine Plattform für die Politik bietet. Schweden, immer schon eines der fortschrittlichsten Länder,  will eine Botschaft in "Second Life" eröffnen und so über die Kultur und Geschichte des Landes informieren. Was nicht weiter verwerflich ist.

Trotzdem hoffe ich, daß diese Idee nicht Schule macht. So virtuell diese Realität auch sein mag; sie wird doch von Millionen Menschen in steigender Zahl gelebt und ihre Inhalte werden vom Markt bestimmt. Die Vorstellung, jeder der genug Geld aufwendet, sich dort einzukaufen, kann seine Ideen auch dort verbreiten, weckt Entsetzen in mir und Albträume von Nazis, Neocons,  jeglicher Art Sekten,  Kinderschändern,   Verabredungen zum gemeinsamen Selstmord und so weiter und so fort. Am Schlimmsten die Vorstellung: Man könnte dort Ideen "einsammeln" für´s echte Leben, das ja irgendwie und offenbar so erstrebenswert nicht ist.

Manchmal bin ich durchaus froh, daß ich so alt bin, wie ich bin, und nicht alles verstehe, was um mich herum passiert …

You may also like

Leave a Comment

Website Designed and Developed by Nabil Ahmad

Made with Love ❤️

©2004-2025 Dialog International. All Right Reserved.