Kein gutes Gefühl

by erphschwester
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Hatte man doch angenommen, daß der "Kalte Krieg" eine Geschichte aus der Vergangenheit wäre, die zwei Weltlager aufgelöst und irgendwie ein gewisses, vorsichtiges Einvernehmen herrscht. Nicht, daß Putin und Bush nun die große Freundschaft verbinden würde (im Gegenteil liegen Welten zwischen den beiden, obschon ich – aber, bitte schön, das ist eine ganz persönliche Meinung! – mich des Eindrucks nicht erwehren kann, daß sie so unähnlich nicht sind), aber jedenfalls ist es ihnen gelungen, lange Zeit keinen Ärger mehr miteinander gehabt zu haben. Und manchmal wehte gar ein winziger Hauch von Einigkeit zwischen den beiden durch die Welt.

Nun aber gewinnt man den Eindruck, all das sei ein Riesenirrtum gewesen. Putin beklagt sich, ihm würde ein neues Wettrüsten abverlangt. Was anheim stellt, daß er sich noch immer auf der anderen Seite wähnt. Und übrigens auch den Gedanken nahe legt, daß Putin mitnichten entfernt ist von Weltbeherrschungsgedanken. Dieser Art Gedanken vermutete man eher beim Dabbeljuh, der sich zu diesem Zwecke die Uniform des Weltpolizisten anzieht. Putin hingegen beschränkte sich in der kürzeren Vergangenheit auf Weltbeherrschung via Energiespielchen. (Und wie´s drinnen in den ehemaligen Sowjetrepubliken aussieht, geht nicht nur niemanden etwas an; es interessiert auch keinen, der nicht gerade eben an irgendeiner Pipeline dranhängt und selber Gefahr läuft, im Winter einen kalten Hintern zu kriegen.) Putin, ja gut, hat zuweilen eine Meinung geäußert, aber nie wirklich von militärischen Ideen gesprochen.

Bis eben jetzt, wo man den Eindruck gewinnen muß, all dieses weltbeherrscherische Gedankengut sei, obschon lange nicht besprochen, noch immer nicht aus dem Kopf.

Also ich, so als Europäer, kriege mehr als nur Kopfschmerzen, wenn der eine wie der andere mich als vermeintliches Mittel zum Zweck in irgendwelche Taktiken einbeziehen will. Ich wollte damals die Mittelstreckenwaffen nicht, hatte Angst vor der Neutronenbombe und hege auch bezüglich irgendwelcher Raketenabwehrsysteme (die sehr leicht zu anderen Zwecken nutzbar sind) meine ganz großen Zweifel. Ich frage mich nicht nur, was ich mit all diesen Machtphantasien zu tun habe, frage mich auch, was Frau Merkel in dieser Sache für eine Rolle spielt.

Und ich habe kein gutes Gefühl …

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David February 10, 2007 - 11:55 am

ich hab’ auch kein gutes gefuehl wenn ich so was lese (Guardian von heute):
“US preparations for an air strike against Iran are at an advanced stage, in spite of repeated public denials by the Bush administration, according to informed sources in Washington.”
http://www.guardian.co.uk/iran/story/0,,2010086,00.html
vielleicht hat putin recht?

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Omar February 10, 2007 - 4:57 pm

Der Unterschied zwischen Putin und Bush ist eigentlich nur, dass der Erstere seine Truppen nicht so weit zu schicken braucht, was aber gleichzeitig heisst, dass er sein Land durch angefangene Kriege in mehr Schwierigkeiten bringt als es Bush tut.
Dass er mit seiner “Anklage” recht haben dürfte, ist m.E. ausser Frage, aber dies daft man nicht mit einer höheren Moralvorstellung verwechseln. Und Europa? Tja, ich glaube zunehmend, dass wir gerade von denjenigen regiert werden, die am meisten dazu bereit sein, einen Krieg anzufangen – aus welchen Gründen auch immer..

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2020 February 14, 2007 - 8:13 am

Russland hat mit China und 4 weiteren Staaten eine Allianz gegründet, die sich gegen Terror, Separatismus und religiösen Aufruhr richtet (die wirtschaftlichen Aspekte lasse ich mal aussen vor): Die Shanghai Cooperation Orgainzation (SCO).
Die SCO lehnt vehement ab, dass die NATO 2005 Zentralasien zu ihrem ‘strategischen Interessenbereich’ erklärt hat – und fordert den Abzug der NATO aus dem eingebetteten Verantwortungsbereich Afghanistan.
Aus russischer Sicht entwickelt sich die Lage wie folgt: In Zentralasien, im Herzen der SCO, wird ein ständiger Brückenkopf der NATO aufgebaut, im Mittleren Osten gilt das amerikanische Recht des Stärkeren und nun kommt noch der Abwehrschirm in Osteuropa hinzu. Kein Wunder, dass das notorische Gefühl, von Feinden eingekreist zu sein, bei den Russen wieder zunimmt – und das hat nur sehr wenig mit akademischen Betrachtungen politischer Systeme oder Ideologien zu tun.

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